Als Werkstudentin bei uns im Unternehmen entwickelte sie ihre Abschlussarbeit für die HfG Karlsruhe.
Im Fokus stand ein Material, das bei uns regelmäßig anfällt und auf den ersten Blick wie ein klassischer Produktionsrest wirkt: Kork-Verschnitt.
Statt diesen Verschnitt nur als Reststoff zu betrachten, untersuchte Silvie, wie daraus ein neuer Rohstoff für Möbel- und Objektbau entstehen kann. Ziel war es, ein produktionsnahes Kreislaufkonzept zu entwickeln, bei dem vorhandenes Material direkt am Standort weiterverwendet wird.
Kork als besonderer Naturrohstoff
Kork ist ein besonderer Naturrohstoff. Er wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen, ohne dass der Baum gefällt werden muss. Gleichzeitig überzeugt das Material durch seine warme, natürliche Wirkung, individuelle Struktur und angenehme Haptik. Genau diese Qualitäten griff die Arbeit auf.
Design aus vorhandenen Formen
Aus den vorhandenen Korkresten entwickelte Silvie Produktideen für modulare Raumteiler und Sitzmöbel. Dabei wurden die Verschnittformen nicht als Einschränkung gesehen, sondern bewusst in das Design integriert. Geschwungene Konturen, gerade Kanten und unterschiedliche Größen wurden zum Ausgangspunkt der Gestaltung. So entsteht ein Design, das nicht gegen das Material arbeitet, sondern aus dem Material heraus entwickelt wird.
Kreislauffähigkeit von Anfang an
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit war die Kreislauffähigkeit. Kork bleibt das zentrale Hauptmaterial, unnötiger Materialmix wird vermieden. Metall, Kunststoff, Lacke oder zusätzliche Beschichtungen sollen möglichst nicht eingesetzt werden. Bei modularen Trennwänden können Buchenholzdübel als Verbindungselemente dienen. Recyclingfähiger Klebstoff wird nur dort verwendet, wo er technisch notwendig ist, etwa beim Aufdoppeln von Korkelementen für mehr Stabilität.
Umsetzung mit vorhandenen Möglichkeiten
Auch die praktische Umsetzbarkeit spielte eine große Rolle. Das Konzept wurde so gedacht, dass keine zusätzlichen Maschinen oder Anlagen angeschafft werden müssen. Der vorhandene Maschinenpark kann genutzt werden, und der Kork-Verschnitt fällt bereits direkt am Standort an. Dadurch entstehen keine zusätzlichen Transportwege für ein neues Hauptmaterial.
Rund 2.000 Kilogramm Kork-Verschnitt pro Jahr könnten so innerbetrieblich weiterverwendet werden. Der ökologische Beitrag liegt damit vor allem in der materialbezogenen Einsparung: Vorhandenes Material wird länger genutzt, bevor es wieder dem Recycling zugeführt wird.
Die Herausforderung: Gestaltung aus dem Bestand
Die größte Herausforderung bestand darin, aus nicht frei planbaren Reststücken ein nachvollziehbares Produktkonzept zu entwickeln. Genau darin lag aber auch die gestalterische Qualität des Projekts. Die Arbeit zeigt, dass nachhaltiges Design nicht immer bei einem weißen Blatt Papier beginnt. Manchmal beginnt es mit dem, was bereits da ist.
Ein Beispiel für nachhaltige Produktentwicklung
Mit ihrer Diplomarbeit hat Silvie Marie Wipfler gezeigt, welches Potenzial in scheinbaren Reststoffen steckt. Aus Kork-Verschnitt wird ein innerbetrieblicher Rohstoff, aus Restmaterial entsteht Gestaltung. Für uns ist dieses Projekt ein schönes Beispiel dafür, wie junge Perspektiven, nachhaltiges Denken und konkrete Produktentwicklung zusammenkommen können.
Es gibt schon so viele Möbel und Objekte auf dieser Welt. Deshalb habe ich eine Vorliebe für ganzheitlich gedachte Konzepte.
Für mich war das einzig sinnvolle bei meinem Abschluss- und Herzensprojekt die gesamten Materialkreisläufe und Lebenszyklen miteinzubeziehen. Wiederverwendung, Materialreduzierung und Recycling. Die Kiste mit Verschnittstücken aus Kork in Pinters Fertigung war für mich eine wertvolle Entdeckung. Sie ist eine Materialquelle, die sich durch die laufende Produktion immer wieder füllt und Raum für neue Ideen und Anwendungen bietet.
Silvie Marie Wipfler